Kultursache
Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel


Liebe Freundinnen und Freunde der »schönen Künste«,
Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, weist in seinem Gastbeitrag in unserem Newsletter gleich zu Anfang darauf hin: »Die Frage, wie politisch Kunst und Kultur sein sollten, hat zurzeit Konjunktur.«
Diese Feststellung ist angesichts der vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit wie soziale Spaltung, Bildungsungerechtigkeit, Migrationsbewegungen, Rechtspopulismus sowie Ausbeutung von Umweltressourcen nicht verwunderlich. Kunst und Kultur wären nur ein schönes Spiel der Eliten, würden sie nicht gesellschaftliche, soziale und politische Missstände aufgreifen und Kritik äußern. Um dies aber eindrucks- und wirkungsvoll zu tun, haben sie sich zunächst einmal dem Primat des Ästhetischen zu verschreiben.

Dies markiert meines Erachtens auch den entscheidenden Unterschied der kulturellen zur politischen Bildung. Während politische Bildung klare Ziele wie beispielsweise Demokratieerziehung verfolgt, will kulturelle Bildung zunächst einmal ästhetische Erfahrungen ermöglichen, über die Kinder, Jugendliche und Erwachsene Differenzerfahrungen machen können, die bestenfalls in Selbstbildungsprozesse münden. Man muss nicht Friedrich Schiller bemühen, um deutlich zu machen, dass gerade im Freiheitsmoment des Ästhetischen dessen Stärke steckt. Dass dabei die politische und kulturelle Bildung häufig gut Hand in Hand gehen können, zeigen zahlreiche Praxisprojekte und auch viele unserer Akademieangebote.

Egal, ob für Sie das Politische oder das Ästhetische im Vordergrund stehen – ein Besuch in Wolfenbüttel ist immer eine gute Idee!

Ihre
Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss

 

Kunst und Politik

Wie politisch sollten Kunst und Kultur sein?

Ein Gastbeitrag von Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politischen Bildung)

 

Foto: bpb/Martin Scherag

 

Die Frage, wie politisch Kunst und Kultur sein sollten, hat zurzeit Konjunktur. Traditionellerweise lassen sich die Akteur_innen aus dem Feld der Kunst in dieser Angelegenheit nicht hereinreden und genau dies macht ihre potentielle Stärke aus: Politische Stellungnahmen aus der Kunst haben insbesondere deshalb gesellschaftliche Durchschlagkraft, weil sich Kunst im demokratischen Kontext nichts vorschreiben lässt. Es ist mir aber vielleicht gestattet darüber zu sprechen, was Kunst in politischer Hinsicht ausrichten könnte.

 

Ein berühmtes Diktum des Dramaturgen Heiner Müller besagt, es sei die Funktion der Kunst, die Wirklichkeit unmöglich zu machen. Darin steckt die Vorstellung, dass Kunst, in diesem Falle Theater, Wirklichkeit negiert und alternative Sichtweisen entwickelt. Die gesellschaftliche Stellung, die sich die Künstler_innen in den letzten Jahrhunderten erkämpft haben, gibt ihnen einen gewissen – ökonomische Abhängigkeiten mitgedacht - autonomen Spielraum, innerhalb dessen Utopien oder alternative Gesellschaftsmodelle formuliert werden können. Negieren bedeutet für mich aber in erster Linie kritisieren und Demokratie braucht Kritik. Anders als autoritäre Politikmodelle, deren Protagonist_innen sich zu allererst um die Ruhigstellung von Intellektuellen, Künstler_innen und kritischen Journalist_innen bemühen, ist Demokratie ein zukunfts- und diskursorientiertes politisches Systemmodell, das sich auf Grundlage von Kritik und Auseinandersetzung konstruktiv weiterentwickelt. Aus diesem Grund benötigt Demokratie in schwierigen Zeiten auch kritische und korrektive Stimmen aus der Kultur: Künstler_innen, die Vertreter_innen von Kultureinrichtungen, Kulturpolitiker_innen und freie Akteur_innen.

 

 

Künstler_innen und Kulturproduzent_innen aus den Ländern des globalen Westens hatten seit der Mitte des letzten Jahrhunderts freie und geschützte Räume. In der nahen Zukunft wird dies möglicherweise nicht mehr uneingeschränkt vorausgesetzt werden können. Dass Kunst »politischer« wird, wenn die Freiheitsrechte – auch die von Menschen außerhalb des Kunstfeldes - auf dem Spiel stehen, war in den letzten Jahren schon deutlich spürbar. In Zeiten, in denen wieder Mauern gebaut und Grenzzäune errichtet werden, können die vielfältigen transnationalen Beziehungen von Kulturproduzent_innen und Kultureinrichtungen sehr wichtig sein und neue Öffentlichkeiten herstellen. Wo Unterstützung durch Politik und Regierungen schwindet, kann Support durch transnationale Partner und Publika wertvoll werden. Für die Demokratie in Europa und auch darüber hinaus ist es fundamental, dass sich ein System postnationaler Strukturen im Feld von Kunst und Kultur weiter etabliert und festigt, denn solche Strukturen sind mit den hergebrachten Mitteln der Abschließung von Gesellschaften nur schwer zu gefährden.

 

Den gesamten Beitrag von Thomas Krüger lesen Sie auf unserem Blog hier.

 

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»Where Love is illegal« 

Seit 2006 fördert die Gesellschaft für Humanistische Fotografie (GfHF) Autor_innenfotografie, die sich mit gesellschaftlich relevanten und politischen Themen auseinandersetzt. Sie bietet Workshops und Projekte im Bereich der Fotografievermittlung an, die sich u. a. mit Bild- und Medienwelten zur Globalen Gerechtigkeit und der Nachhaltigen Entwicklung beschäftigen.
Im eigenen Ausstellungsraum f³ – freiraum für fotografie , 2017 in Berlin eröffnet, zeigt die Gründerin der Gesellschaft und künstlerische Leiterin Katharina Mouratidi aktuell die Ausstellung »Where Love is illegal« des international ausgezeichneten Fotografen Robin Hammond. Er reiste mehrere Jahre durch Länder, in denen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität nicht der Norm entsprechen und strafrechtlich verfolgt werden. Entstanden sind so hunderte Porträts von Menschen, die – offen oder im Geheimen – ihre Identität täglich neu verteidigen müssen, oft unter Gefahr für Leib und Leben. Die Fotografien sind keine Porträts im herkömmlichen Sinne: Sie sind in enger Kooperation zwischen den Abgebildeten und dem Fotografen entstanden. Aufgenommen hat Robin Hammond seine eindrücklichen Porträts auf Polaroid-Film, der ihnen eine eigene, fast surreale und traumhafte Bildästhetik verleiht.
Mit Robin Hammond zeigt die Gesellschaft für Humanistische Fotografie eine weitere kritische Position, die ein gesellschaftlich virulentes Thema aufgreift. Der Dokumentarfotograf ist Mitglied der Amsterdamer Agentur NOOR und Gründer der Organisation Witness Change, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen weltweit einsetzt. Seine Langzeitprojekte wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem W. Eugene Smith Fund for Humanistic Photography, mit dem World Press Foto Award und mehrfach mit dem Amnesty International Award for Human Rights Journalism. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. September zu sehen und wird durch ein Begleitprogramm bereichert. Nähere Informationen zur Gesellschaft für Humanistische Fotografie und zur Galerie f³ unter
http://www.gfhf.eu/  http://www.fhochdrei.org  und Facebook und Instagram:
#fhochdrei.
Seit kurzem ist die Gesellschaft für Humanistische Fotografie Kooperationspartner der Bundesakademie. Sarah Kuschel, die neue Leiterin des Programmbereichs Bildende Kunst, plant zurzeit gemeinsam mit der GfHF eine Veranstaltung im Herbst 2018. Im Herbst 2019 wird es darüber hinaus ein Fachtreffen geben, das sich mit den Potenzialen des Mediums Fotografie in einer diverser werdenden Gesellschaft beschäftigt. Das Treffen wird an Fotografieprojekte mit jungen Erwachsenen mit und ohne Fluchterfahrung anknüpfen, wie sie die GfHF seit vielen Jahren durchführt und die seit diesem Jahr auf der Plattform Eye_land (https://www.eye-land.org) zu finden sind. Informationen zu den geplanten Veranstaltungen mit der Gesellschaft für Humanistische Fotografie gibt es demnächst auf unserer Website.

 

Einen Einblick in die Ausstellung »Where Love is Illegal« von Robin Hammond finden Sie auf unserem Blog hier.

 

St. Petersburg, Russland, November 2014.
© Robin Hammond, aus: Where Love is Illegal

 

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Dokumentation der Tagung »The Active part of Art«

von Nele Gittermann und Dr. Sabine Baumann

  • Wie kann zeitgenössische Kunst die Kultur in Demokratien stärken und wie können Öffentlichkeiten hergestellt werden?

  • Welche Rolle kommt der zeitgenössischen Kunst in Zeiten politischer Instabilität zu und welche will sie übernehmen?

  • Inwiefern wird sie von einem System instrumentalisiert oder vereinnahmt?

  • Kann Kunst zur Erhaltung und Stärkung demokratischer Strukturen beitragen?

  • Welche Strategien nutzt die Kunst, um Öffentlichkeiten zu schaffen und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen?

Diesen Fragen widmete sich die internationale Tagung »The Active Part of Art«, die am 26. und 27. April von der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (ADKV) und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ausgerichtet wurde.

 

 

Gemeinsam mit internationalen Gästen aus den Bereichen künstlerische Praxis, Publizistik und Philosophie sollten möglichst heterogene Perspektiven im Spannungsfeld zwischen Kunst und Politik entwickelt und ein produktiver Diskurs eröffnet werden.
Vor dem Hintergrund verschärfter politischer Situationen in Serbien, Ungarn und der Türkei waren Referent_innen aus eben jenen Ländern eingeladen worden, um den Einfluss bestimmter Restriktionen auf die Produktion von zeitgenössischer Kunst darzustellen und künstlerische Strategien aus ihrer eigenen Praxis zu skizzieren, um diese zu unterwandern oder ihnen entgegenzuwirken. Auch die aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklung angesichts rechter Tendenzen innerhalb von Deutschland bietet Anlass, künstlerische Arbeiten aus Deutschland einzuladen, die diese Situation aktuell reflektieren und sich dazu verhalten, bzw. Öffentlichkeiten herstellen. Die Beiträge wurden gerahmt von den Impulsen zweier Philosophen, die den Diskurs auf einer soziologischen Metaebene auf die Rolle von Kunst in einem gesellschaftlichen System hin überprüfen.


Die Dokumentation der Tagung lesen Sie hier.

 

Aus dem Haus

••• Sarah Kuschel leitet Programmbereich Bildende Kunst •••
Ab Juni 2018 leitet Sarah Kuschel den Programmbereich Bildende Kunst an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel. Sie übernimmt die Leitung von Dr. Sabine Baumann, die den Bereich 22 Jahre lang prägte. Mit Sarah Kuschel kommt nun keine Unbekannte an die Bundesakademie. Bereits seit vielen Jahren arbeitet sie als Dozentin im Programmbereich Bildende Kunst, u. a. für KUNSTgeragogik. »Wir freuen uns, mit Sarah Kuschel eine ganz ausgezeichnete Kulturvermittlerin für unser Team gewonnen zu haben, die sehr gut vernetzt ist und bereits tolle Ideen für die Ausgestaltung des Bereichs Bildende Kunst mitgebracht hat«, sagt Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Direktorin der ba●. »Wir sind gespannt darauf, wie sich der Programmbereich unter ihrer Leitung entwickeln wird.« Mehr dazu lesen Sie hier.

 

 

 

••• Projekt K² – Kulturnetzwerke in Kommunen und Regionen ist gestartet •••
Im neuen Projekt K² entwickelt die Bundesakademie am Beispiel von sechs ausgewählten Kommunen bundesweit anschlussfähige Strategien zum Aufbau nachhaltiger Kulturnetzwerke. In einem zweijährigen Analyse- und Beratungsprozess werden multiprofessi-onelle Teams, bestehend aus kommunaler Verwaltung, Kultureller Bildung und weiteren Partner_innen, in aufeinander aufbauenden Praxisworkshops gemeinsam qualifiziert. Ziel ist es, durch die systematische Vernetzung und den konzeptionellen Austausch die Nachhaltigkeit der Netzwerke vor Ort zu stärken. Die Kommunen werden von der Freien Universität Berlin in ihren Entwicklungen wissenschaftlich begleitet. Das Projekt ist Teil der neu eingerichteten Begleitstruktur des Bundesförderprogramms »Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung«, dem Forum Vernetzung, Qualität, Forschung. Mehr dazu lesen Sie hier.

 

  

••• WAT-Band zur Andreas-Eschbach-Tagung erschienen •••
Der WAT-Band 69 mit dem Titel »>Danke, Jesus!< Andreas Eschbachs fantastische Welten« mit Beiträgen von Wulf Dorn, Andreas Eschbach, Klaus N. Frick, Leonhard Koppel-mann, Olaf Kutzmutz, Kathrin Lange und Burkhard Spinnen kann ab sofort in unserem Webshop für 12 Euro erworben werden.
Mit seinem »Jesus-Video« wurde Andreas Eschbach einem breiten Lesepublikum bekannt. Dieser Roman ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs der fantastischen Welten, in die Eschbach immer wieder entführt. Im September 2017 veranstaltete Olaf Kutzmutz, Programmleiter für Literatur, die weltweit erste Andreas-Eschbach-Tagung. Nun ist die Dokumentation dieser Tagung erschienen, in der ein Teil dieser Welten erkundet wird. Dafür nehmen die Autorinnen und Autoren einzelne Werke Eschbachs genauer in den Blick und fragen allgemeiner danach, was gute Unterhaltungsliteratur hier und heute ausmacht.

  

 

••• KUNSTgeragogik - Einblick in die Berufspraxis •••
Ende September beginnt der achte Lehrgang der berufsbegleitenden Qualifizierungsreihe »KUNSTgeragogik — Kulturelle Bildung mit Älteren«. Mittlerweile haben sich nahezu 80 Kunstgeragog_innen in Bildender Kunst und Tanz weitergebildet. Eine von ihnen ist Janka Witte. Sie arbeitet heute als Kunstpädagogin und Kunstgeragogin sowohl mit Jüngeren als auch mit Älteren künstlerisch. Wir haben Sie dazu befragt:

 
Was interessiert Sie an der künstlerischen Arbeit mit älteren Menschen?
Die Begegnung mit älteren Menschen hat mich schon immer gereizt. Vor allem interessieren mich die Biografien und die individuelle Auseinandersetzung mit dem Tod – auch im Künstlerischen. Ein anderer, genauso spannender Aspekt ist die Arbeit mit an Demenz erkrankten Menschen. Wo die Stimme verstummt, ihnen eine Möglichkeit des Ausdrucks zu geben, mit künstlerischen Mitteln, das ist es, was mich an der künstlerischen Arbeit mit älteren Menschen so fasziniert.
Das Interview lesen Sie hier.

 

 

••• Sebastian Fitzek hilft beim perfekten Mord •••
Hätte jemand am Muttertag durch die Fenster von Schünemanns Mühle geschaut, er hätte dort eine heitere Runde gesehen, die an lauschigen Cafétischchen sitzt und angeregt miteinander plaudert. Was so friedlich aussah, war jedoch in Wirklichkeit eine Versammlung von zwanzig (potenziellen) Tätern, die sich über ihre geplanten oder bereits schon verübten Gräueltaten austauschen wollten. Tipps und Tricks für den perfekten Mord erhofften sie sich dabei sowohl von ihren »Kolleginnen und Kollegen«, vor allem aber vom absoluten Profi in diesem Fach: Sebastian Fitzek.
Erstmalig kam der beliebte Psychothriller-Autor als Dozent für das Seminar »Achtung, Hochspannung! Plots prüfen mit Sebastian Fitzek« an die Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel. Olaf Kutzmutz, Programmleiter Literatur freute sich: »Ich habe schon seit langem versucht, Sebastian Fitzek für eine Schreibwerkstatt an die Akademie zu holen. Jetzt mit ihm gemeinsam die Plots der Teilnehmer zu besprechen ist schon etwas Besonderes«, sagte er. Den Bericht lesen Sie hier.

 

 

  

••• 3 Fragen an Nora Gomringer •••
Wenn sie die Stimme eines lang verstorbenen Dichters hören dürfte, dann die eines der uralten Griechen oder Römer. »Am liebsten Horaz«, sagt Nora Gomringer, »das wäre für mich eine derart entrückte Situation, als würde Jesus sprechen.« Tonart und Klang von Literatur sind der Lyrikerin wichtig, und darauf weist auch prominent ein Vokaltattoo auf ihrem linken Unterarm hin. A, E, I, O und U sind bei Nora Gomringer derart verschlungen, dass sie an chinesische Schriftzeichen erinnern, und zugleich Hingucker bei einer Lyrikerin, deren Gedichte und Auftritte unter die Haut gehen. Sie hat zudem eine Gabe, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, wenn es um ihre Passion geht: die Literatur und vor allem die Lyrik.
Nora Gomringer kann aber auch Prosa, und so erhielt sie 2015 den Ingeborg-Bachmann-Preis für einen Text, in dem ihre Autorenkollegin und Ex-Literaturlaborantin Nora Bossong eine Rolle spielt. Das Literatur Labor Wolfenbüttel und seine zwölf Stipendiatinnen und Stipendiaten waren auch der Grund, warum sie vier Tage lang Gast der Bundesakademie war. Am Rande des Literatur Labors stellte ihr Olaf Kutzmutz drei Fragen.

 

 

••• Gartenzaun aus Mikadostäbchen •••
Auch Museen reagieren auf die vielgestaltigen Veränderungsprozesse dieser Zeit und nehmen im Kontext altersbedingter, sozialer und kultureller Vielfalt zunehmend neue gesellschaftliche Funktionen ein. Über die traditionellen Aufgaben der materiellen Kulturbewahrung und -präsentation hinaus, begreifen sie sich heute längst auch als zentrale Orte der Bildung und Integration – was mit hohen gesellschaftlichen Erwartungen einhergeht: Museen sollen Erkenntnisse vermitteln, Erlebnisse schaffen, Kommunikation fördern, und Teilhabe ermöglichen. Sie sollen für jeden Menschen zugänglich sein, von Anfang an und ein Leben lang. Sie sollen aktuelle Diskurse thematisieren, Reflexionsanlässe bieten und Meinungsvielfalt generieren, nicht aber den Zeigefinger erheben. Ein zielgruppenorientiertes Denken und die Sensibilität für Umgangs- und Wissensformen ist bei der Ausstellungskonzeption daher heute und zukünftig von großer Bedeutung. Die Museumspädagogik wird dabei immer tragender im Prozess der Ausstellungsgestaltung. Museumsarbeit muss – um den wachsenden gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden – von vielen unterschiedlichen Spezialisten aus Wissenschaft, Gestaltung und Didaktik in Zusammenarbeit getragen werden.
Den Bericht von unserer Praktikantin Julia Zalewski zum Werkstattseminar »Ausstellen museumspädagogisch gedacht« lesen Sie
hier.

 


  

Wissensplattform Kulturelle Bildung Online

 

Lektüretipps von kubi-online

 

Wenn die Frage aufgeworfen wird, »Wie politisch darf Kunst sein«, geht es im Fachdiskurs der Kulturellen Bildung darum, wie Künste und ästhetische Praxen zu Narrativen bzw. Handlungsräumen werden, die kritisches Bewusstsein und gesellschaftspolitische Sensibilität schärfen. Hierzu einige Beispiele:

  • In einem theoretischen Grundlagenbeitrag reflektiert Dagmar Fenner das Verhältnis von Ethik und Ästhetik und plädiert dafür, dass die Autonomie der beiden Perspektiven grundsätzlich gewahrt bleiben sollte: »In der ethischen Perspektive sind wir in faktische Lebensvollzüge involviert, und es geht um die Begründung des richtigen und verantwortlichen Handelns. Aus ästhetischer Perspektive hingegen tritt man aus den alltäglichen Interessenzusammenhängen hinaus, nimmt ein sinnlich-sinnenhaftes Verhältnis zum Dargebotenen ein und spielt in einem Freiraum der Möglichkeiten mit verschiedenen Welt- und Selbstsichten. (…)«
     

  • Das Künste nicht nur etwas »Ästhetisches« sind, sondern immer als Medium moralisch-politischer Reflexion und Bildung wirken, verdeutlichen die philosophischen Überlegungen von Maria-Sibylla Lotter über Kunst und Moral.
     

  • In seinem Beitrag Kunst als politische Partizipation – politische Partizipation als Kunst? untersucht Christoph Scheurle das Verhältnis von Politik und (Theater-)Kunst. Im Sinne eines partizipativen Verständnisses schlägt er vor, Kunst vor allem als Versuch zu verstehen, sich über den sozialen Raum als gemeinsamen Handlungsraum bewusst zu werden, in dem unterschiedliche Gestaltungsoptionen jeweils neu zu verhandeln sind.
     

  • Kulturelle Bildung auch für Nazis? Aus der Praxis und mit Bezug auf die rechtsextremistische Musikszene erörtert Peter Tiedeken Möglichkeiten und Widersprüche Kultureller Bildungsarbeit mit rechtsextremen Jugendlichen. Kritisch reflektiert er, ob der auf Inklusion bezogene pädagogische Ansatz der »Akzeptierenden Jugendarbeit« in der Arbeit mit rechtsextremen Jugendlichen sinnvoll ist.

Mehr zur Vielfalt des Wissens siehe: www.kubi-online.de
 

Veranstaltungen

Fachkonferenz »Soziokultur findet Stadt«
Inwiefern kann mit Kunst und Kreativität das Leben im Stadtteil freundlich gestaltet und zukunftsorientiert ausgerichtet werden? Wie können auch diejenigen Bewohner_innen erreicht werden, die sich in den bestehenden kulturellen Angeboten bisher nicht wiederfinden? Diesen Fragen geht die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. am 12. und 13. September bei der Fachkonferenz »Soziokultur findet Stadt« nach, die in der ufaFabrik e.V. in Berlin stattfinden wird. Akteur_innen aus Kultur und Medien, Stadtteilarbeit und Wissenschaft zeigen auf, wie innovative Netzwerkarbeit und neue Wege der Kulturarbeit eine vielfältige Stadtgesellschaft ansprechen und die unterschiedlichen Wünsche der Menschen berücksichtigen. Das Programm, weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

 

 

AUFTRAG KUNST. Die politische Dimension der Kulturellen Bildung
Die 9. Tagung des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung findet vom 10. bis 12. Oktober an und mit der Universität Osnabrück statt. Insbesondere in der zeitgenössischen Kunst wird explizit die politische Relevanz künstlerischer Artikulationen hervorgehoben, d.h. dass Kunst nicht nur eine ästhetische, sondern eine damit verwobene politische Dimension aufweist, die mit Blick auf Kulturelle Bildung relevant wird. Künstlerische Praxis ist demnach nicht nur ein Instrument, das politische Zusammenhänge offenlegt, sondern gleichzeitig ein wirksames Medium der Agitation, mittels dessen demokratische und ästhetische Freiräume sowie gesellschaftliche Beteiligungen ermöglicht werden können und sollen. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob sich derartige mit Kunst verbundene Versprechungen und Hoffnungen in Kulturellen Bildungspraxen auch so zeigen bzw. ob diese sich ohne weiteres in das Feld der Kulturellen Bildung übertragen lassen. Die Tagung geht diesen und weiteren Fragen im Zusammenhang von Kultureller Bildung und Teilhabe an der Schnittstelle von Theorie und Praxis nach. Alle Infos dazu finden Sie hier.

 

 

FRAUEN IN INTERKULTURELLEN PROJEKTEN
Welche geschlechtsspezifischen Fragen treten in interkulturellen künstlerischen Projekten auf? Welche Rahmenbedingungen braucht es für eine geschlechtergerechte Zusammenarbeit? Auf der Konferenz zu Fragen & Methoden in der künstlerischen Arbeit am 11. Juli im Ringlokschuppen Ruhr, Mülheim a.d. Ruhr wechseln sich theoretische und künstlerische Impulse ab mit Laboren, in denen Fachexpert_innen gemeinsam mit den Teilnehmer_innen praxisnah an verschiedenen Schwerpunktthemen arbeiten und Lösungsansätze entwickeln. Alle Infos dazu gibt es hier.

 

 

Ausschreibungen

Rampenlichter 2019
Das Tanz- und Theaterfestival von Kindern und Jugendlichen Rampenlichter findet ab jetzt alle zwei Jahre statt und wird zu einem 14-tägigen Festival ausgebaut. Ab der nächsten Bewerbungsrunde werden insgesamt 18 Tanz- und Theaterproduktionen von und mit Kindern und Jugendlichen aus München, Deutschland und anderen Ländern nach München eingeladen! Die nächste Ausgabe von Rampenlichter findet vom 5. bis 18. Juli 2019 statt. Rampenlichter sucht deutsche und internationale Tanz-, Theater- oder Tanztheater-Inszenierungen mit Kindern und Jugendlichen. Bewerbungen sind von 1. Oktober bis 16. Dezember 2018 online auf www.rampenlichter.com möglich. Alle Infos dazu hier.

 

Junge Ohren Preis
Der Junge Ohren Preis sucht modellhafte und innovative Programme für neue Publikumsgenerationen von professionellen Musiker_innen, Orchestern, Konzerthäusern, Bühnen, Festivals, Ensembles, Hochschulen und anderen Initiativen und Institutionen in Deutschland, Schweiz, Österreich und Luxemburg. Darüber hinaus würdigt der Preis in seiner zweiten Kategorie herausragende Persönlichkeiten der Musikvermittlerszene. Den Preisträgerprojekten lässt er finanzielle Mittel und öffentliche Aufmerksamkeit zu Teil werden. Der Preis ist eine Initiative des netzwerk junge ohren und versteht sich als Seismograf für zukunftsweisende Qualität und Impulsgeber zur Professionalisierung des Berufsfeldes Musikvermittlung. Bewerbungsschluss: 30. September 2018. Alle Infos dazu hier.

 

Jobs

Wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in
Im DFG-geförderten Forschungsvorhaben »Vermittlungs- und Aneignungsprozesse in Museen − Formen pädagogischer Kommunikation bei personalbetreuten Führungen in Museen unterschiedlichen Typs« der Abteilung Lehren, Lernen, Beraten sucht das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE) zum 1. September 2018 ein_e wissenschaftliche_n Mitarbeiter_in / eine_n wissenschaftliche_n Doktorand_in. Bewerbungsschluss: 6. Juli 2018. Alle Infos dazu finden Sie hier.

 

Bildungsmanger_in gesucht

Der Landesverband der Volkshochschulen Niedersachsens e.V. sucht zum 1. September 2018 eine_n Bildungsmanager_in in Teilzeit. Bewerbungsfrist: 28. Juli. Alle Infos dazu hier.

 

Künstlerische Leitung
Das Brandenburger Theater sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Künstlerische Leitung als Gesicht des Theaters sowie zur Leitung der künstlerischen Bereiche. Bewerbungsschluss: 30. September 2018. Alle Infos dazu hier.  

  

Professur »Kunst- und Kulturvermittlung«
Bei der Hochschule Niederrhein ist im Fachbereich Sozialwesen in Mönchengladbach

zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Professur »Kunst- und Kulturvermittlung« zu besetzen. Bewerbungsschluss: 18. Juli 2018. Alle Infos dazu hier.

 


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Impressum
Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel e.V., Schlossplatz 13, 38304 Wolfenbüttel,
Tel.: 05331/808-411, Fax: 05331/808-413, E-Mail: post@bundesakademie.de
Vertretungsberechtigte Direktorin & Geschäftsführerin: Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss
Registergericht: Amtsgericht Braunschweig, Registernummer: VR 150330
Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE257270888